Während der International Week des Master-Studiengangs Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement in Minsk kam es zu einem Zeitzeugentreffen in der Geschichtswerkstatt.
Maria Plangger
Während der International Week des Master-Studiengangs Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement in Minsk kam es zu einem Zeitzeugentreffen in der Geschichtswerkstatt.

International Week: Besuch von Sport- und Kultureinrichtungen in Minsk.

29.05.2019 |
Exkursionen
Im Zuge der International Week besuchte eine Studierendengruppe des Master-Studiengangs Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement im Mai 2019 die weißrussische Stadt Minsk. Kulturelle Eindrücke und die Sportveranstaltung European Games waren zentrale Themen.

Als Austragungsort der zweiten European Games war Minsk der ideale Ort, um tiefgehende Eindrücke über die Planung dieser Sportgroßveranstaltung zu erlangen. Bei den Europaspielen handelt es sich um sportliche Wettkämpfe für europäischer Staaten in unterschiedlichen Disziplinen und mit olympischem Charakter. Neben diesem sportorientierten Highlight standen Besuche von Kultureinrichtungen auf dem Programm, bei denen studiengangsrelevante Inhalte vertieft wurden.

Europäische Spiele

Die belarussische Hauptstadt, ein städtebauliches Vorzeigeprojekt einstiger sozialistischer Utopien mit zahlreichen Parkanlagen, breiten Straßenzügen und einer guten Sport-Infrastruktur, ist im Juni host-City für die zweiten European Games. Bei einem Treffen in der österreichischen Botschaft erzählte das Leitungsteam von den organisatorischen Herausforderungen der Großveranstaltung, für die 180.000 Tickets zum Verkauf stehen. Die Erwartungen für einen touristischen Aufschwung in Belarus sowie Fortschritte für die europäische Integration sind hoch. Nur ein Drittel des Arbeitsaufwandes hat direkt mit dem sportlichen Teil zu tun, schildert das Team. Zwei Drittel der Anstrengungen fließen in Finanzierung, Bewerbung, kulturelle Rahmenprogramme und die Bemühungen, den Alltag in der Zwei-Millionen-Metropole so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Auch österreichische Athleten nehmen an dem Wettbewerb teil, weshalb Österreich einen Tag lang Gelegenheit haben wird, sich im Rahmenprogramm zu präsentieren. In der Diskussion mit Botschafterin Dr. Aloisa Wörgetter über die bestmögliche Gestaltung einer solchen Darbietung konnten die Studierenden ihr Know-how einbringen.

Zivilgesellschaftliche Projekte

Neben den European Games bot Minsk auch zahlreiche kulturelle Einrichtungen, von denen einige von der Studierendengruppe besucht wurden. Die Galerie Ў hat sich zu einer international anerkannten Ausstellung für zeitgenössische belarussische und internationale Kunst etabliert. Die Galerie liegt im Herzen des ehemaligen Industrie-Viertels, das die Kreativszene mit Co-Working-Spaces, Graffitis und Kaffeehäusern nach ihren Bedürfnissen gestaltet hat. Freimütig erzählt die Mitarbeiterin der Galerie Ў vom schweren Stand der zeitgenössischen Kunst in der belarussischen Präsidialrepublik bei Publikum und Staat. Förderungen aus öffentlicher Hand gibt es keine, weshalb Kooperationen mit Einrichtungen wie dem Goethe-Institut einen hohen Stellenwert haben. Durch deren Mitwirken wird demnächst die Wanderausstellung von Amy Winehouse „Ein Familienporträt“ in der Galerie zu Gast sein, wie der Leiter des Goethe-Instituts Minsk bei einem weiteren Termin erzählte. Die jüdischen Vorfahren von Winehouse stammten aus Belarus, die Ausstellung war vom Bruder der Sängerin und dem Jewish Museum London konzipiert worden. Als kulturell aktive Einrichtung engagiert sich das Goethe-Institut für gesellschaftspolitische Themen, wie in diesem Fall für die Bewusstseinsbildung bezüglich der jüdischen Geschichte und Gegenwart. Während der nationalsozialistische Besatzung von 1941-1944 war nicht nur die jüdische Bevölkerung von Belarus nahezu ausgerottet worden, in riesigen Todeslagern wurden auch hunderttausende Juden aus Deutschland und Österreich ermordet.

Geschichtswerkstatt als transnationales Projekt der Erinnerungskultur

Bei einem Besuch in der Geschichtswerksatt fand ein zutiefst bewegendes Treffen mit einer Zeitzeugin statt. Sie schilderte, wie sie im Alter von sechs Jahren in das Minsker Ghetto gekommen war und nur aufgrund der Hilfe eines „Gerechten unter den Völkern“ überlebte: Ein Bauer schmuggelte sie aus dem Ghetto und hielt sie bis zum Ende der Besatzung versteckt. Die Geschichtswerkstatt Minsk, untergebracht in einem historischen Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos in Minsk, kooperiert mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund und zielt darauf ab „durch das Erinnern an die Vergangenheit eine gute Zukunft zu schaffen“, so die Selbstbeschreibung.

Auf Eigeninitiative fuhren die Studierenden nach dem offiziellen Ende einer eindrucksvollen Woche zu dem im März eröffneten österreichischen Mahnmal für die ermordeten Juden in Maly Trostinec, etwa zwölf Kilometer südöstlich von Minsk. „Erinnerungskultur ist eines der zentralen aktuellen Themen in Kulturmanagement, die eindringliche Begegnung in der Geschichtswerkstatt hat dies zum Ausdruck gebracht“, so Kulturmanagement-Professorin Dr. Verena Teissl. Studiengangsleiterin Asc. Prof. (FH) Mag. Monika Kohlhofer betont den „unschätzbaren Wert der International Week. Die Termine mit Sport- und Kultureinrichtungen machen theoretische Zugänge konkret, interkulturelle Bildung wird geschult.“