Elisabeth Paul, Studentin Web Communication & Information Systems, mit ihrem Sohn.
Elisabeth Paul, Studentin Web Communication & Information Systems, mit ihrem Sohn.

Studieren mit Baby

03.08.2017 |
Allgemein
Ein Interview mit Elisabeth Paul, Studentin Web Communication & Information Systems.
  • Was studieren Sie derzeit und gehen Sie einer beruflichen Tätigkeit nach?
    Ich studiere WCIS im 4. Semester, mein Sohn wurde im Juli 2015 geboren, seitdem bin ich in Elternzeit, ich war aber schon seit  Jänner 2015 im vorzeitigen Mutterschutz, da ich gesundheitliche Probleme während der Schwangerschaft hatte, im ersten Semester, bis Jänner, war ich in Vollzeit berufstätig, hätte dies aber ab Jänner auf unter 20 Stunden reduziert.
  • Was war der ausschlaggebende Grund warum Sie sich für ein Studium an der FH Kufstein Tirol entschieden haben?
    Die Alternative war ein Masterstudium an der Uni Innsbruck. Dort habe ich schon meinen Bachelor in WiWi gemacht. Aufgrund meiner Wohnsituation zwischen Kufstein und Rosenheim wäre das aber schwierig und trotz Selbsterhalterstipendium teuer geworden. Ein Großteil in Innsbruck wären Integrierte Lehrveranstaltungen gewesen, ich hätte also oft nach Innsbruck fahren müssen. Ein Umzug kam auch nicht infrage, da mein Partner einen tollen Job in Rosenheim hat. Außerdem war das Angebot der Kufsteiner FH ansprechender. Ich habe mich für DIM und WCIS beworben und wurde auch für beides genommen.
  • Wie lassen sich Familie und Studium miteinander vereinbaren? Was sind dabei Ihre persönlichen Herausforderungen?
    Die Babys, die ich in der Familie kannte waren ausgesprochen ruhig. Ich konnte mir gut vorstellen mit Baby zu studieren. Mein Sohn jedoch liebt es aktiv, ob ich auf der Autobahn unter 80 km/h fahre oder der Kinderwagen länger als eine Ampelphase stehenbleibt: Er wird wach. Alles in allem falle ich abends, wenn er gegen 18 Uhr ins Bett geht, ziemlich erschöpft auf die Couch. Mich dann noch zu motivieren zu lernen - das ist wirklich schwer. Ich muss zum Lernen oder Übungen machen immer einen Babysitter organisieren. Mein Freund hat zwar flexible Arbeitszeiten, seit vergangenem Jahr aber eine leitende Position, sodass er nicht immer Freitagnachmittag zuhause sein kann. Ich hab den kleinen Mann also auch schon an 2 Freitagen in Lehrveranstaltungen dabeigehabt.
  • Welche Form der Unterstützung bekommen Sie von der FH Kufstein Tirol um Ihnen die Kombination von Familie und Studium zu erleichtern.
    Kurse, die ich gesundheitsbedingt im Sommersemester nicht machen konnte, durfte ich durch Kompensationsarbeiten nachholen. Dafür hatte ich einige Zeit zur Verfügung, das ist wirklich toll und es hat auch Spaß gemacht, die Inhalte zu bearbeiten. Ich bin es durch mein quasi-Fernstudium in Innsbruck ja gewöhnt, mir Inhalte selbst beizubringen. Zu Vorlesungen bin ich kaum gefahren. Ich nehme davon oft sogar mehr mit, als in Gruppen im Seminar zu arbeiten oder in Vorlesungen zu sitzen. Die Studiengangsleitung ist zu jeder Zeit bemüht, mit mir Kompromisse zu finden, dafür bin ich sehr dankbar. Dass ich dennoch nicht zu 100 Prozent alles schaffe, liegt natürlich in meiner Verantwortung und ärgert mich ein bisschen.
  • Was könnte die FH hier optimieren?
    Ich komme aus der klassischen Universität. Dort hätte ich vielleicht nur ein oder zwei Kurse belegt, diese dafür aber abgeschlossen. Das geht aber an der FH nicht. Es wird darauf hinauslaufen, dass ich in einigen Fächern wegen Fehlzeiten zur kommissionellen Prüfung antreten muss. Das ist natürlich bitter. Ich wiederhole das Studienjahr jetzt seit Herbst. Ich habe versucht, mich auf einige wenige Fächer zu konzentrieren und die mit 1 oder 2 abzuschließen, um sie in diesem Jahr nicht mehr machen zu müssen. Eine elegante Lösung ist das nicht, da ich eigentlich sehr ehrgeizig bin und 5er im Zeugnis schrecklich finde. Ich würde mir wünschen, dass es für Fälle wie meinen andere Regelungen gibt - etwa dass auch schlechtere Noten im zweiten Durchgang anerkannt werden, oder aber der erste Prüfungsantritt durch Abwesenheit in Seminaren nicht verloren geht. Es sind ja nicht nur frischgebackene Eltern betroffen. Auch durch Pflegeleistung bei nahen Angehörigen oder anderen persönlichen und einzigartigen Fällen können derartige Situationen entstehen.
  • Können Stipendien hier aushelfen?
    Das Stipendienwesen  der Studienbeihilfe ist hauptsächlich auf das Uni-Modell ausgelegt. Man bekommt für Schwangerschaft und Kindererziehung insgesamt drei Semester pro Kind mehr Anspruchsdauer im aktuellen Studium. Statt 4+1 habe ich nun 4+1+3 Semester Anspruchsdauer. So könnte man mal weniger Kurse machen und das Studium entsprechend verlängern. Das funktioniert aber mit der FH-Regelung nicht. Beurlaubungen vom Studium bedeuten nämlich auch automatisch, dass die Studienbeihilfe während dieser Zeit ruht - auch wenn viele Studierende mit Kind sicherlich auf diese Einnahmequelle angewiesen sind. Bei mir mit Selbsterhalterstipendium sind das immerhin 791,- Euro im Monat.