Drohne trifft Traktor: Wie KI die Landwirtschaft revolutioniert
- 28.08.2025
- Forschung
Drohne über Feld: Im Projekt AI4Green entwickeln Forschende der FH Kufstein Tirol intelligente Lösungen für nachhaltige Landwirtschaft – mit Schwarmtechnologie und KI-gesteuerten Analysen.
Wie können moderne Drohnentechnologie, Schwarmintelligenz und künstliche Intelligenz dabei helfen, CO₂ und Energie zu sparen? Ein Forschungsprojekt der FH Kufstein Tirol mit internationaler Ausstrahlung zeigt es.
Was haben Traktoren, Drohnen und Künstliche Intelligenz (KI) gemeinsam? Im Forschungsprojekt AI4Green lautet die Antwort: Sie alle sind Teil einer nachhaltigen Zukunftsstrategie. Unter der Leitung von Prof. (FH) PD Dr. Mario Döller, Rektor der FH Kufstein Tirol, entwickelt ein interdisziplinäres Team innovative Ansätze zur Energie- und CO₂-Einsparung in Industrie und Landwirtschaft. Das Ziel: Effizienz steigern, Ressourcen schonen – und zwar mithilfe von intelligenter Technologie.
Landwirtschaft neu gedacht: Wenn Drohnen den Weg zeigen
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz mobiler Sensorplattformen in der Landwirtschaft. Drohnen, ausgestattet mit speziellen Sensoren, fliegen automatisiert über Felder, erkennen Sturmschäden, Unkraut oder Wachstumsunterschiede und liefern Daten für eine punktgenaue Bewirtschaftung. „So können Landwirt:innen gezielt reagieren – ohne das ganze Feld mehrfach mit dem Traktor befahren zu müssen“, erklärt Döller im Interview. Das spart Treibstoff, Zeit und Emissionen. Auch die Kombination von Drohnen mit bodengebundenen Fahrzeugen wie Traktoren wird gezielt weiterentwickelt.
Insbesondere die Detektion und Klassifikation des giftigen Jakobskreuzkrauts ist dabei ein wichtiger Schwerpunkt. Die Pflanze breitet sich stark aus und stellt eine Gefahr für Weidetiere dar. Durch den Einsatz von KI-gestützten Drohnen können betroffene Flächen frühzeitig erkannt und gezielt behandelt werden – ein Beispiel, wie Technologie unmittelbar zu mehr Nachhaltigkeit und Tierwohl beiträgt.
Kern des Projekts ist der Einsatz von Deep Reinforcement Learning, einem KI-Verfahren, bei dem Algorithmen durch Erfahrung lernen. So entstehen autonome Systeme, die ihre Aufgaben – etwa das vollständige Abfliegen eines Feldes oder die Optimierung industrieller Prozesse – eigenständig effizient lösen. Dabei kommen auch Schwarmkonzepte zum Einsatz, bei denen mehrere Drohnen koordiniert zusammenarbeiten.
Als Hochschule sehen wir uns in der Pflicht, nachhaltige Entwicklungen aktiv mitzugestalten – für die Region und weit darüber hinaus.
Prof. (FH) PD Dr. Mario Döller
Rektor der FH Kufstein Tirol
Mehr als Theorie: Transfer in die Wirtschaft
AI4Green ist kein Laborexperiment, sondern klar auf Praxisanwendung ausgelegt. In enger Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region entstehen Software- und Systemlösungen, die direkt in den Arbeitsalltag integriert werden können. Ziel ist es, mindestens zwei bis drei marktfähige Innovationen bis Projektende im Jahr 2027 auf den Weg zu bringen – eine Zielmarke, die Projektleiter Döller bereits übertreffen möchte: „Zehn wären besser.“
Hochschulübergreifendes Know-how
Die FH Kufstein Tirol arbeitet bei AI4Green mit mehreren Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammen. Gemeinsam werden Methoden, Werkzeuge und Anwendungen entwickelt, die weit über die Region hinausstrahlen – von Tirol bis Bayern. Der offene Zugang zu Projektergebnissen über eine digitale Wissensplattform sorgt dafür, dass auch andere von den Erkenntnissen profitieren können.
Dass es dabei nicht nur um Technik, sondern auch um gesellschaftliche Verantwortung geht, betont Döller: „Als Hochschule sehen wir uns in der Pflicht, nachhaltige Entwicklungen aktiv mitzugestalten – für die Region und weit darüber hinaus.“
Daten & Fakten
- Projektlaufzeit: 01.05.2024 – 30.04.2027
- Projektleitung: Prof. (FH) PD Dr. Mario Döller
- Projektteam: Julius Tscherch, Benjamin Senfter, Joachim Pfuhl, BSc, Mohammadreza Mohebbi, MSc
- Fördergeber: Interreg Bayern-Österreich BA0100172
- Projektpartner: Paris Lodron Universität Salzburg, TH Rosenheim, FH Vorarlberg, Hochschule Kempten, FH Salzburg, TH Deggendorf, Software Competence Center Hagenberg
Links:
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