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ERP-Branche im Wandel und neue Betriebsmodelle mit KI-Agenten

  • 08.04.2026
  • News Studiengang
Guido von Rohr ist Experte für Geschäftsprozesse und blickt in die Zukunft mit KI-Agenten.
© privat

Guido von Rohr unterstützt Unternehmen mit einem Mindset, das Menschen, Prozesse und Technologie in Einklang bringt.

Wer Veränderung nicht fürchtet, kann sie gestalten: Im Interview spricht Guido von Rohr darüber, wie er Unternehmen begleitet und wie sie mithilfe von Flexibilität, KI und Lean-Methoden neue Stabilität gewinnen. Sein Credo: Menschen, Technologie und Kultur so verbinden, dass echte Weiterentwicklung entsteht.

„Wer die Zukunft aktiv gestalten will, sollte in Prozessen nicht auf starre Stabilität setzen, sondern wie Wasser eine organisatorische Anpassungsfähigkeit entwickeln“, so Guido von Rohr. Er ist Leiter des IT-Project Management Office (PMO) der Stadt Rosenheim und unterstützt Unternehmen in Bayern, Tirol und im gesamten deutschsprachigen Raum dabei, ihren Wertbeitrag nachhaltig zu steigern. Zudem ist er Absolvent des berufsbegleitenden Masterstudiengangs ERP Systeme & Geschäftsprozessmanagement und Lektor an der FH Kufstein Tirol.

Zudem führt er als Berater Unternehmen im Lean Lab an die neuesten Methoden heran. Seine Berufung ist es, Organisationen, Menschen und digitale Technologien so zusammenzubringen, dass moderne Arbeitsweisen, wirksame Zusammenarbeit und echte Weiterentwicklung entstehen – stets mit Fokus auf Vertrauen, Ethik und einer nachhaltigen Wertschöpfung.

Im Interview erzählt Guido von Rohr, welche Risiken und Chancen er im aktuellen Wandel sieht und wie er Unternehmen praxisnah begleitet, um die Symbiose von Mensch, Prozess und Technologie zu formen – spannende Einblicke für alle, die die digitale Zukunft aktiv mitgestalten wollen.

Wie verändern sich aktuell die Strukturen und Arbeitsweisen in Unternehmen durch neue Technologien und Methoden?

Guido von Rohr: Wir können tatsächlich von einem neuen Betriebsmodell sprechen, weil sich die Grundlagen der Arbeitswelt verändern. Früher dominierte die klassische Aufbauorganisation mit klaren Hierarchien – Aufgaben und Entscheidungen flossen von oben nach unten. Mitarbeitende handelten nach Vorgaben, Abteilungen waren stark abgegrenzt. Mit neuen Technologien verschiebt sich dieser Blickwinkel: Unternehmen richten sich zunehmend an Kundenbedürfnissen aus, sowohl intern als auch extern. Prozesse werden nicht mehr nur von der Hierarchie bestimmt, sondern nach Ablauf, Effizienz und Ergebnis gedacht.

Ein zentraler Aspekt dieses Wandels ist die Prozessmodellierung. Sie erlaubt, Arbeit aus der Perspektive des Prozesses zu betrachten, nicht nur von der Position der Mitarbeitenden im Organigramm. Das bedeutet, dass Aufgaben entlang von Wertschöpfungsketten optimiert werden können, wodurch Unternehmen flexibler reagieren. Gleichzeitig eröffnet die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) völlig neue Möglichkeiten: KI wird nicht nur in speziellen Softwarelösungen eingesetzt, sondern findet zunehmend Eingang in alltägliche betriebliche Abläufe. So können Routineaufgaben automatisiert werden und technologische Innovationen lassen sich kommerziell nutzbar machen.

Welche Auswirkungen hat der Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf die Arbeit von Mitarbeitenden und die Unternehmenskultur?

von Rohr: Mit der Automatisierung durch KI entsteht ein Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine. KI-Agenten übernehmen Routineaufgaben, die früher von Mitarbeitenden erledigt wurden. Gleichzeitig beeinflussen sie die Softwarelandschaft selbst: Low-Code- und No-Code-Plattformen, die das Programmieren vereinfachen, werden durch KI-Agenten weiter automatisiert. Das kann selbst für etablierte Softwareunternehmen disruptiv sein, da klassische Rollen und Aufgaben plötzlich hinterfragt werden – eine Art Midlife-Crisis der Organisation.

Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine aufbauen. Es reicht nicht, Technologien einzuführen; Mitarbeitende müssen verstehen, wie sie KI für ihre eigenen Bedürfnisse sinnvoll nutzen können. Das erfordert nicht nur technisches Wissen, sondern auch Anpassung der Unternehmenskultur – ein zentraler Faktor, um die neuen Technologien kompetent und nicht ängstlich zu integrieren.

Viele Unternehmen haben ihre Strukturen bereits digitalisiert – aber wie wirkt sich die nächste Welle mit Künstlicher Intelligenz auf ihre Anpassungsfähigkeit aus?

von Rohr: Digitalisierung war der erste Schritt in Richtung Veränderung – viele Unternehmen haben bereits Software, digitale Prozesse und Datenmanagement eingeführt. Dennoch gibt es Firmen, die noch nicht bereit sind, die nächste Stufe zu gehen. Stabilität und verlässliche Prozesse boten ihnen Sicherheit in einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld.

Dieses Sicherheitsgefühl hatte aber einen Nebeneffekt: Es verhinderte Anpassungsfähigkeit. Unternehmen, die sich zu sehr auf bewährte Abläufe verlassen haben, sind nun in einem Umfeld, das sich rasend schnell verändert, besonders anfällig. KI bringt eine neue Welle des Wandels – sie ist nicht optional, sie passiert. Das Tempo des Wandels nimmt zu und Unternehmen müssen sich fragen, nicht ob, sondern wie sie sich darauf einstellen.

Wie können Unternehmen in einem komplexen Umfeld handeln, in dem mehrere Herausforderungen gleichzeitig bewältigt werden müssen?

von Rohr: Es zeigt sich , dass die Herausforderungen und die damit verbundenen Risiken nicht eindimensional sind, sondern sich auf vielen Ebenen und in verschiedenen Dimensionen des Wandels zeigen. Um in einem solchen Umfeld erfolgreich zu agieren, empfiehlt sich ein dreistufiger Ansatz:

  1. Herausforderungen erkennen: Alle Beteiligten müssen verstehen, dass Veränderungen alle Bereiche der Organisation betreffen. Erst wenn die Dringlichkeit allen klar ist, ist die Bereitschaft da um wirksame Maßnahmen umzusetzen.
  2. Umgang mit Wandel: Kontinuierliches Lernen und regelmäßige Anpassung helfen, Wissens- und Fähigkeitslücken zu schließen. Mitarbeitende müssen befähigt werden, sich aktiv auf neue Technologien einzulassen.
  3. Reflexion und Kommunikation: Führungskräfte begleiten den Wandel, schaffen Transparenz und reflektieren gemeinsam mit ihren Teams die Veränderungen, um in einen kontinuierlichen Fluss der Verbesserungen zu kommen.

Dieser Ansatz stellt sicher, dass Wandel nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen wird. Es geht nicht darum, Druck aufzubauen, sondern Bewusstsein und Bereitschaft des Handelns zu schaffen, um die Organisation sicher und kompetent durch den Veränderungsprozess zu führen.

Welche Rolle spielt die ERP-Branche bei der Einführung von KI, und worauf kommt es dabei für Unternehmen besonders an?

von Rohr: Die ERP-Branche spielt eine besonders wichtige Rolle, weil sie Unternehmen bei der technologischen Implementierung begleitet und zugleich Fähigkeiten vermittelt, die für den Umgang mit KI entscheidend sind. Es geht um die Symbiose von Person, Prozess und Projekt:

  • Person: Mitarbeitende müssen befähigt werden, KI sinnvoll einzusetzen und Routineaufgaben abzugeben, ohne den Überblick zu verlieren.
  • Prozess: Arbeitsabläufe müssen angepasst werden, um Technologie effizient zu integrieren.
  • Projekt: Implementierungen und Veränderungsprozesse müssen geplant und gesteuert werden, damit die Transformation reibungslos verläuft.

Nur wenn diese drei Dimensionen zusammenwirken, kann die Symbiose zwischen Mensch und KI gelingen und Unternehmen werden nicht von den Veränderungen überwältigt.

Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für Unternehmen in diesem Wandel?

von Rohr: Die Chancen liegen klar auf der Hand: KI kann Routineaufgaben effizient erledigen, Prozesse beschleunigen und Mitarbeitende von monotonen Tätigkeiten entlasten. Das eröffnet neue Möglichkeiten, sich auf wertschöpfende Aufgaben zu konzentrieren.

Die Herausforderungen liegen im Umgang mit der Geschwindigkeit, Komplexität der Aufgabe und Fähigkeit der Organisation. Unternehmen, die an alten Strukturen festhalten, werden vom Tempo des Wandels überrollt. Es geht darum, Risiken zu erkennen, kontinuierlich zu lernen und reflektiert zu verbessern. Eine erfolgreiche Integration von KI bedeutet nicht nur Digitalisierung, sondern erfordert eine echte Transformation der Organisation bestehend aus einer wirksamen Symbiose von Mensch und Maschine, die langfristig Stabilität und Flexibilität vereint.

 

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