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Sport als Brücke: Integration braucht Begegnung

  • 13.01.2026
  • Allgemein
Claudia Stura, Stv. Studiengangsleiterin Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement
© FH Kufstein Tirol

Prof. (FH) Dr. Claudia Stura erforscht an der FH Kufstein Tirol, wie Sport als sozialer Raum Integration und Teilhabe fördern kann.

Wie kann Sport die soziale Teilhabe Geflüchteter fördern – und was kann die Gesellschaft daraus lernen? Prof. (FH) Dr. Claudia Stura von der FH Kufstein Tirol untersucht in einem aktuellen Beitrag, welche Rolle Sportvereine bei der Integration spielen – und warum Offenheit auf beiden Seiten entscheidend ist.

„Sport kann verbinden – aber nur, wenn Offenheit gelebt wird“, sagt Prof. (FH) Dr. Claudia Stura, ihres Zeichens stellvertretende Studiengangsleiterin für die Bachelor und Master Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement sowie für Sports, Culture & Event Management an der FH Kufstein Tirol. Stura beschäftigt sich seit Jahren mit den Rollen von Sportvereinen als Räume sozialer Begegnung. Ihr aktueller Beitrag Sport, Migration und Integration – Perspektiven für die Aufnahmegesellschaft, erschienen im Handbuch Bewegung und Sport in der Sozialen Arbeit (Beltz Verlag, 2025), basiert auf einer Studie der FH Kufstein Tirol, die vom Sports Research Lab Tirol unterstützt wurde.

Darin wurden Sportvereine in Tirol untersucht, in denen geflüchtete Menschen aus der Ukraine regelmäßig aktiv sind – vom Fußball bis zum Kinderturnen. In Interviews mit Vereinsverantwortlichen und Geflüchteten ging Stura der Frage nach, welche Bedingungen Teilhabe im Sport ermöglichen und wo Barrieren bestehen. Das Ergebnis: Sport kann die soziale Integration unterstützen, wo regelmäßige Begegnung möglich ist – nicht nur durch formale Programme, sondern insbesondere durch ein respektvolles und partizipatives Umfeld.

Integration als gemeinsame Aufgabe

Im Gespräch betont Stura, dass Teilhabe gelingt, wenn gesellschaftliche Strukturen so gestaltet werden, dass Vielfalt anerkannt und Barrieren abgebaut werden. Stura: „Wir müssen also Rahmenbedingungen schaffen, dies ermöglichen.“ Der organisierte Sport könne dafür ein ideales Lernfeld sein. Besonders in Vereinen werde sichtbar, wie Teilhabe im Alltag funktioniert: beim gemeinsamen Training, bei Turnieren oder auch außerhalb des Spielfeldes.

Wir müssen uns fragen, welche Vorstellungen von Zugehörigkeit wir haben – und wo wir selbst lernen können, offener zu sein.

Prof. (FH) Dr. Claudia Stura

Stv. Studiengangsleiterin

Die Studie zeigt, dass individuelle Akteure vielfach eine entscheidende Rolle spielen. Trainer:innen, Vereinsmitglieder oder Nachbar:innen, die aktiv auf Geflüchtete zugehen, machen den Unterschied. Gleichzeitig fehlen teils langfristige Strukturen, um diese Begegnungen zu stützen. Stura fordert daher, den Vereinen Unterstützung zu geben – durch Sensibilisierung, Qualifizierung und Kooperationen mit sozialen Einrichtungen.

„Sportvereine leisten hier oft Pionierarbeit“, sagt sie. „Aber viele können von gezielter Begleitung profitieren, um Integrationsprozesse nicht nur kurzfristig gelingen zu lassen, sondern nachhaltig zu gestalten.“

Sport als Ort der Begegnung

In ihrem Beitrag beschreibt Stura, dass Sport nicht nur körperliche Aktivität bedeutet, sondern immer auch ein sozialer Raum ist. Wer gemeinsam trainiert, schafft Begegnungen auf Augenhöhe – unabhängig von Sprache oder Herkunft. Diese Gleichzeitigkeit von Bewegung und Begegnung macht den Sport zu einem wertvollen Instrument, um Vorurteile abzubauen und Kohäsion zu fördern.

Stura sieht darin jedoch keine automatische Lösung. „Sport ist kein Allheilmittel. Wenn er Menschen ausschließt oder bestehende Ungleichheiten reproduziert, kann er auch trennen.“ Entscheidend kann sein, wie offen die Strukturen gestaltet werden. Wenn Vereine Vielfalt als Bereicherung verstehen, können sie wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen.

Mit Blick auf die Ergebnisse ihrer Forschung plädiert Stura daher für mehr Bewusstsein in der Aufnahmegesellschaft: „Wir müssen uns fragen, welche Vorstellungen von Zugehörigkeit wir haben – und wo wir selbst lernen können, offener zu sein.“

Forschung mit Wirkung

Stura forscht seit Jahren zu den sozialen Dimensionen des Sports – insbesondere zu Migration, Inklusion und Ehrenamt. Neben ihrer aktuellen Publikation hat sie bereits mehrere internationale Beiträge veröffentlicht, unter anderem im Palgrave Handbook of Disability Sport in Europe und in Sportverbände. Stand und Perspektiven der Forschung.

Wenn unsere Erkenntnisse Menschen helfen, offener miteinander umzugehen, dann hat Wissenschaft einen wichtigen Zweck erfüllt.

Prof. (FH) Dr. Claudia Stura

Stv. Studiengangsleiterin

Ihre Forschung fließt regelmäßig in Lehrveranstaltungen und Praxisprojekte an der FH Kufstein Tirol ein. So entstehen neue Ansätze, wie Sport als Werkzeug für soziale Integration verstanden und praktisch umgesetzt werden kann. Ein Teil dieser Ergebnisse wurde auch auf der EASM-Konferenz in Budapest vorgestellt, wo Stura ihre Erkenntnisse im internationalen Kontext präsentierte. „Forschung sollte immer gesellschaftliche Relevanz haben“, sagt sie. „Wenn unsere Erkenntnisse Menschen helfen, offener miteinander umzugehen, dann hat Wissenschaft einen wichtigen Zweck erfüllt.“

Factbox: Forschung & Publikationen von Claudia Stura

  • Aktueller Beitrag: Sport, Migration und Integration – Perspektiven für die Aufnahmegesellschaft, in: Bewegung, Spiel und Sport in der Sozialen Arbeit (Beltz Verlag, 2025).
  • Forschungsbasis: Studie zu Sportvereinen in Tirol, an denen Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine teilnehmen; gefördert vom Sports Research Lab Tirol.
  • Kernaussage: Integration gelingt dort, wo persönliche Begegnung möglich ist – und wo Sport als gemeinsamer sozialer Raum verstanden wird.
  • Weitere Veröffentlichungen:
    • Sportverbände: Stand und Perspektiven der Forschung
    • Palgrave Handbook of Disability Sport in Europe
    • Beiträge zur EASM-Konferenz 2025 in Budapest
  • Forschungsschwerpunkte: Sportmanagement und Sportsoziologie, Migration, Ehrenamt, Inklusion und Diversität im Sport.

 

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