Im Anzug zur Animation: Ein Blick ins MoCap-Lab
- 11.05.2026
- Forschung
MoCap-Laborverantwortlicher Julian Klinger, MSc, die HLW-Schüler:innen Sarah Haupt, Matthias Feiersinger und Stefanie Leps, der Leiter der Labore der FH Kufstein Tirol, Asc. Prof. (FH) Ing. Markus Ehrlenbach, MSc sowie FH-Rektor Prof. (FH) PD Dr. Mario Döller (v.l.n.r.) im MoCap-Lab.
Das Motion-Capture-Lab der FH Kufstein Tirol verbindet moderne Technologie mit praxisnaher Lehre – das durften auch Schüler:innen der HLW Kufstein selbst ausprobieren.
Wie entstehen realistische Bewegungen in Filmen, Games oder Virtual-Reality-Anwendungen? An der FH Kufstein Tirol wird diese Technologie nicht nur theoretisch behandelt, sondern direkt erlebbar gemacht: im hauseigenen Motion-Capture-Lab.
[...] weil es genau die Technik ist, die große Film- und Spieleproduktionen nutzen – und wir dieses Wissen hier direkt vermitteln können.
Julian Klinger, MSc
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Data Science & Intelligent Analytics
Technik wie in Film und Games
Das Besondere daran: Die Anlage wird je nach Bedarf flexibel aufgebaut – etwa im Festsaal der FH. Rund drei Stunden dauert es, bis Kameras, Rechner und Software einsatzbereit sind. Zum Einsatz kommt dabei professionelle Technologie, wie sie auch in der Film- und Spieleindustrie verwendet wird. Für das Motion-Capture-System stehen fünf mobile Kameras zur Verfügung, die flexibel überall aufgebaut werden können und eine Person in einem Tracking-Bereich von rund 2x2 Metern erfassen.
Ergänzend dazu sind in der Turnhalle sechs weitere Kameras fix installiert, die bei größeren Projekten eingebunden werden können. Damit lassen sich deutlich größere Bewegungsräume abbilden und auch mehrere Personen gleichzeitig präzise tracken. Die erfassten Daten werden mit dem Vicon-System verarbeitet und anschließend etwa in Game Engines wie Unity oder Unreal weiterverwendet.
„Das MoCap Lab ist eines der beeindruckendsten Angebote, die die FH zu bieten hat“, erklärt Julian Klinger, MSc, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Data Science & Intelligent Analytics und verantwortlich für das MoCap-Lab. „Vor allem, weil es genau die Technik ist, die große Film- und Spieleproduktionen nutzen – und wir dieses Wissen hier direkt vermitteln können.“
Die drei Schüler:innen der HLW Kufstein und Julian Klinger, MSc, betrachten im Motion-Capture-Lab der FH Kufstein Tirol gemeinsam die live aufgezeichneten Bewegungsdaten auf dem Bildschirm und erhalten so einen direkten Einblick in die digitale Animation in Echtzeit.
Lernen durch Ausprobieren
Aktuell wird das Lab sowohl in der Lehre als auch in Forschungsprojekten eingesetzt. Studierende lernen nicht nur die theoretischen Grundlagen, sondern arbeiten selbst mit der Technik: Sie kalibrieren das System, schlüpfen in die Anzüge und führen eigene Aufnahmen durch – ähnlich wie auf einem professionellen Set. Parallel dazu wird erforscht, wie Motion-Capture-Daten in Extended-Reality-Anwendungen eingesetzt werden können und welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig dabei spielt.
„KI wird immer wichtiger – etwa bei der Verarbeitung von Daten oder als Ergänzung zu Animationen“, so Klinger. „Trotzdem zeigt sich schon jetzt, dass Motion Capture durch seine Präzision nicht einfach ersetzt werden kann.“
Einblick für die HLW Kufstein
Wie das in der Praxis aussieht, zeigte sich auch beim Besuch von Schüler:innen der Mediendesignklasse der HLW Kufstein. Sie erhielten die Möglichkeit, das Lab selbst auszuprobieren und eigene Szenen umzusetzen. Eine Schülerin, Stefanie Leps, schlüpfte dabei in den Motion-Capture-Anzug, während ihre Kolleg:innen Regie führten, Szenen planten und die Aufnahmen steuerten. Die Bewegungen wurden digital erfasst und in eine animierte, weihnachtliche Szene übertragen.
„Das war eine Erfahrung, von der ich nicht gedacht hätte, dass ich sie jemals machen darf“, beschreibt Leps ihre Eindrücke. Auch Sarah Haupt, die bei der Umsetzung die Regie übernahm, hebt den praxisnahen Zugang hervor: „Wir haben uns vorher überlegt, welche Posen wir machen wollen, und ich habe dann angesagt, was umgesetzt wird.“
Das war eine Erfahrung, von der ich nicht gedacht hätte, dass ich sie jemals machen darf.
Stefanie Leps
Schülerin
Matthias Feiersinger zeigte sich besonders vom Realitätsgrad beeindruckt: „Ich kannte Motion Capture vorher nur aus Videos – es war spannend zu sehen, dass es in echt genauso funktioniert.“ Neben dem Erlebnis nahmen die Schüler auch fachliche Erkenntnisse mit. So war etwa überraschend, wie effizient die Arbeit mit der Technologie ablaufen kann. „Wenn man gut vorbereitet ist, geht es eigentlich ziemlich schnell“, so Haupt. Für Klinger sind genau diese Momente entscheidend: „Man merkt immer wieder, dass wir hier Erinnerungen schaffen, die lange bleiben.“
Das Motion-Capture-Lab zeigt damit eindrucksvoll, wie sich komplexe Technologien greifbar machen lassen – und wie praxisnahe Lehre an der FH Kufstein Tirol aussehen kann.