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Ein Jahr Trump: Wirtschaft im Zeichen der Unsicherheit

  • 10.02.2026
  • Allgemein
Mag. Stefan Bruckbauer hält einen Vortrag beim Management Forum Kufstein im Festsaal der FH Kufstein Tirol.
© FH Kufstein Tirol

Mag. Stephan Bruckbauer, Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria, erläutert bei seinem Vortrag an der FH Kufstein Tirol die wirtschaftlichen Aussichten nach einem Jahr Trump.

Steigende Goldpreise, verunsicherte Märkte und ein Europa unter Druck: Mag. Stefan Bruckbauer wagte beim Management Forum Kufstein einen wirtschaftlichen Ausblick nach einem Jahr Trump – und zeigte, warum Stabilität derzeit keine Selbstverständlichkeit ist.

Am 28. Jänner 2026 referierte Stephan Bruckbauer, Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria, im Festsaal der FH Kufstein Tirol über die wirtschaftlichen Entwicklungen nach einem Jahr erneuter Präsidentschaft Donald Trumps. Der vom Lions Club Kufstein gesponserte Vortragsabend wurde von Christoph Hauser, Volkswirt und Leiter des Abends, moderiert und widmete sich den Auswirkungen politischer Unsicherheiten auf Finanzmärkte, Rohstoffe sowie die globale und nationale Konjunktur.

Rohstoffe und globale Konjunktur im Wandel

Bruckbauer betonte, dass die wirtschaftspolitische Unsicherheit, insbesondere im handelspolitischen Bereich, durch Trumps Wirken deutlich zugenommen habe und mittlerweile rund dreimal so hoch sei wie in vergleichbaren Phasen zuvor. Diese Entwicklung führe zu einer erhöhten Volatilität an den Finanzmärkten und zu einer zurückhaltenderen Investitionsbereitschaft von Unternehmen und Anlegern.

Besonders sichtbar sei diese Unsicherheit an den Rohstoff- und Finanzmärkten. Der Goldpreis habe in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt, was vor allem auf eine gestiegene Nachfrage nach sicheren Anlageformen zurückzuführen sei. Neben der allgemeinen Unsicherheit spiele auch eine zunehmende Diversifikation weg vom US-Markt eine zentrale Rolle. Staatliche Anleihen hätten zusätzlich maßgeblich zur Preisentwicklung beigetragen, nachdem entsprechende Impulse zunächst von Regierungen ausgegangen seien. Gleichzeitig relativierte Bruckbauer mediale Darstellungen und wies darauf hin, dass die tatsächlichen Preissteigerungen teilweise geringer ausfielen als öffentlich wahrgenommen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf industriellen Rohstoffen wie Kupfer, Nickel und Stahl. Diese seien sowohl für die Rüstungsindustrie als auch für neue Technologien der sogenannten New Economy, etwa im Bereich der Künstlichen Intelligenz, von großer Bedeutung. Viele Rohstoffpreise hätten mittlerweile beinahe wieder das Niveau von 2019 erreicht, was auf eine allmähliche Erholung der globalen Nachfrage hindeute.

Global befinde sich die Weltwirtschaft wieder auf einem moderaten Wachstumspfad, jedoch mit deutlich geringerer Dynamik als vor der Pandemie. Insgesamt liege das weltweite Wirtschaftswachstum rund zehn Prozent unter dem Niveau von 2019. Während die US-Wirtschaft trotz politischer Unsicherheiten weiter wachse – vor allem getrieben durch Investitionen in Künstliche Intelligenz – profitiere China aktuell stark von der globalen Lage und verzeichne eine Exportsteigerung von rund 50 Prozent. In Europa hingegen bleibe die industrielle Entwicklung angespannt, insbesondere in Deutschland, wo die Industrieproduktion weiterhin rückläufig sei.

Gruppenfoto auf dem Podium des Festsaals der FH Kufstein Tirol anlässlich des Management Forum Kufstein.
© FH Kufstein Tirol

Für Österreich zeichnete Bruckbauer ein insgesamt verhalten positives Bild. Der Exportauftragseingang liege – ebenso wie in Deutschland und im gesamten Euroraum – unter der 50-Prozent-Marke, was auf eine rückläufige Entwicklung hindeute. Dennoch sei keine Rezession mehr zu erwarten, vielmehr gehe man von einem sehr leichten Wirtschaftswachstum aus.

Dieses Wachstum werde in erster Linie vom öffentlichen Sektor sowie von Investitionen getragen. Öffentliche Ausgaben wirkten stabilisierend auf die Konjunktur und könnten kurzfristige Schwächen in anderen Bereichen teilweise ausgleichen. Auch Investitionen spielten eine zentrale Rolle, um wirtschaftliche Impulse aufrechtzuerhalten. Zusätzlich profitiere Österreich von einzelnen Branchen, die sich vergleichsweise robust zeigten. Dazu zählten insbesondere die Pharmaindustrie, Metallerzeuger wie die voestalpine sowie die Produktion von Elektromotoren. Diese Bereiche fungierten als wesentliche Treiber des leichten Wachstums zu Jahresbeginn.

Demgegenüber stünden jedoch zentrale österreichische Kernbranchen weiterhin unter Druck. Bau-, Holz- und Baustofferzeugnisse zeigten eine sehr schwache Entwicklung. Auch der Einzelhandel befinde sich auf einem rückläufigen Kurs, was unter anderem auf eine hohe Sparquote und eine zurückhaltende Konsumneigung der Bevölkerung zurückzuführen sei. Insgesamt sei die Stimmung in vielen Gewerken gedämpft, auch wenn sich die wirtschaftliche Gesamtlage langsam stabilisiere.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit zahlreichen interessierten Fragen aus dem Publikum, die das hohe Interesse an den aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen widerspiegelte. Der Abend klang schließlich in gemütlicher Atmosphäre bei weiteren Gesprächen im Foyer aus.

Zusammenfassend verdeutlichte der Vortrag, dass die wirtschaftliche Entwicklung nach einem Jahr erneuter Präsidentschaft Donald Trumps von erhöhter Unsicherheit, aber zugleich von Anpassungsprozessen geprägt ist. Während globale Finanz- und Rohstoffmärkte sensibel auf politische Risiken reagieren und sich Investoren zunehmend absichern, zeigt sich die Weltwirtschaft insgesamt stabilisiert, wenn auch auf einem niedrigeren Wachstumsniveau als vor der Pandemie. Für Österreich ergibt sich daraus ein gemischtes Bild: Ein sehr moderates Wachstum steht einer weiterhin gedämpften Stimmung in zentralen Branchen gegenüber. Deutlich wurde, dass wirtschaftliche Stabilität derzeit weniger durch Dynamik als vielmehr durch staatliche Impulse, gezielte Investitionen und einzelne robuste Industriezweige getragen wird.

Die Veranstaltungsreihe Management Forum Kufstein ist eine Initiative der Studiengänge International Business Management, Marketing & Kommunikationsmanagement und Leadership & Business Management. Sie stellt aktuelle Marketing- und Unternehmensfragen in den Mittelpunkt und ermöglicht einen Einblick in das strategische und operative Management.

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Management Forum Kufstein | Eventserie

Dieser Artikel wurde von Studierenden des Studiengangs Marketing & Kommunikationsmanagement im Rahmen eines Praxisprojekts verfasst.