PQM-Dialog 2026: KI-Agenten treffen Operational Excellence
- 25.06.2026
- Eventrückblick
Auch in diesem Jahr bot der 24. PQM-Dialog Expert:innen und Interessierten spannende Einblicke in aktuelle Entwicklungen, besonders rund um Künstliche Intelligenz. Die Referenten gaben authentische Perspektiven auf Forschung und Praxis. Im Bild v.l.n.r.: Vizerektorin Prof. (FH) Dr. Claudia Van der Vorst, Asc. Prof. (FH) Ing. Markus Ehrlenbach, Mario Welte, Julian Maier, Dr. Benjamin Schwendinger, Bernhard Ebner, Daniel Buchegger, Marius Stehling und Prof. (FH) Dr. Martin Adam.
Beim 24. PQM-Dialog an der FH Kufstein Tirol zeigten Expert:innen aus Forschung und Praxis, wie KI, Lean Management und Führung zusammenspielen. Den Gästen bot sich ein Blick in die industrielle Zukunft und darauf, wie Unternehmen operative Exzellenz nachhaltig und menschenzentriert gestalten können.
Am 12.06.2026 beleuchteten sieben Referenten aus Forschung und Praxis beim PQM-Dialog im Festsaal der FH Kufstein Tirol das Thema Operational Excellence in Zeiten von Industrie 5.0 und Künstlicher Intelligenz.
Die Veranstaltung bot einen breiten Überblick über aktuelle Entwicklungen im Prozess- und Qualitätsmanagement. KI-Agenten eröffnen bereits vielfältige Einsatzmöglichkeiten in Produktion, Logistik und Management. Zugleich zeigte sich, dass für einen erfolgreichen Einsatz nicht nur technologische, sondern auch organisatorische und menschliche Faktoren entscheidend sind. Eine verlässliche Datenbasis, klare Prozesse und eine Führungskultur, die Veränderung aktiv unterstützt, stellen hierfür zentrale Voraussetzungen dar.
Die Beiträge machten damit sichtbar, wie eng technologische Entwicklung, betriebliche Anwendung und Führung heute miteinander verknüpft sind.
Forschung: Neue Perspektiven auf KI-Agenten
Zum Auftakt skizzierte Julian Maier vom Fraunhofer IPA in Stuttgart die Entwicklung von generativer zu agentischer künstlicher Intelligenz. Während generative Systeme auf Eingaben reagieren, handeln agentische Systeme innerhalb definierter Grenzen zunehmend eigenständig. Damit verändert sich auch die Rolle des Menschen: Er setzt Ziele und Leitplanken, überwacht die Umsetzung und trägt die Verantwortung. Maier beschrieb KI dabei als Akteur im Prozess, für dessen Einsatz ebenso das Prinzip von Können, Wollen und Dürfen gilt. Während das Können wesentlich von der Datenqualität abhängt, wurde das Wollen in einem Beispiel sichtbar, in dem ein System eine Aufgabe eigenständig zurückwies. Das Dürfen wiederum wird durch regulatorische Vorgaben wie den EU AI Act bestimmt. Damit rückten neben der technologischen Entwicklung auch die Voraussetzungen für einen verantwortungsvollen Einsatz in den Fokus.
Julian Maier machte deutlich, dass der verantwortungsvolle Einsatz agentischer KI nicht allein vom technischen Können abhängt. Entscheidend sind ebenso das Wollen im Sinne eigenständiger Systemlogik sowie das Dürfen, das durch normative und regulatorische Vorgaben definiert wird.
Anschließend stellte Dr. Benjamin Schwendinger von Fraunhofer Austria zwei praxisnahe Fragestellungen aus dem Supply-Chain-Management vor: Wann trifft eine Bestellung ein, und wann ist der richtige Zeitpunkt zum Bestellen? Im ersten Fall ließ sich die Prognose durch zusätzliche Informationen wie Feiertage, Lieferanten oder Warenmerkmale spürbar verbessern. Im zweiten Vergleich erwiesen sich etablierte Verfahren jedoch als ebenso wirkungsvoll. Der Beitrag machte damit anschaulich, dass der Mehrwert von KI-Agenten stets von der konkreten Problemstellung abhängt.
Von Prozesssteuerung bis Robotik
Mario Welte von Noventa Consulting in Diepoldsau übertrug die zuvor skizzierten Entwicklungen in den betrieblichen Alltag und lenkte den Fokus auf das Shop Floor Management. Er erläuterte, wie KI-Modelle Prozessdaten mit Zielvorgaben verknüpfen, Abweichungen einordnen und auf Basis bereits umgesetzter Maßnahmen konkrete Handlungsschritte ableiten können. Gleichzeitig ordnete er die Rolle der Technologie klar ein: Lean Management bleibt das Fundament stabiler und leistungsfähiger Prozesse, KI-Agenten ergänzen diese Grundlage um zusätzliche Analyse- und Steuerungsmöglichkeiten.
Zum Abschluss vor der Pause richtete Thomas Edlinger, Geschäftsführer von DCCS in Graz, den Blick auf humanoide Robotik und damit auf ein Feld, das derzeit zwischen technologischem Fortschritt und industrieller Realität steht. Online zugeschaltet zeigte er, dass diese Systeme vor allem bei hochpräzisen Greifbewegungen und im dauerhaften Einsatz in der Produktion noch Entwicklungsschritte vor sich haben. Gerade deshalb sprach er sich dafür aus, bereits jetzt Pilotprojekte anzustoßen, um Erfahrungen zu sammeln und künftige Einsatzmöglichkeiten gezielt zu erschließen.
Praxisbeispiele aus Industrie und Führung
Nach der Pause stand die industrielle Praxis im Mittelpunkt. Bernhard Ebner, Head Operational Excellence bei FRITZ EGGER in St. Johann, zeigte, welche Voraussetzungen der Einsatz von KI im Produktionsalltag braucht: eine belastbare Datenbasis, standardisierte Prozesse und eine Führungskultur, die Vertrauen schafft. An Beispielen wie Predictive Maintenance, automatischer Oberflächeninspektion und intelligenten Steuerungssystemen machte er deutlich, wie KI dazu beitragen kann, Maschineneinstellungen so zu optimieren, dass Produktqualität, Ausstoß und Materialeinsatz besser zusammenspielen.
Bernhard Ebner verdeutlichte, dass KI in der industriellen Praxis vor allem dort wirksam wird, wo verlässliche Daten, klare Prozesse und eine unterstützende Führungskultur zusammenkommen.
Daran anknüpfend ordnete Marius Stehling, Operations Manager bei PALFINGER, Lean Management, Industrie 5.0 und KI in die langfristige Entwicklung des Unternehmens ein. Lean Management bildet dabei die Grundlage für Operational Excellence, auf der ein digitaler Backbone aufsetzt und den Einsatz von KI erst ermöglicht. Zusammengehalten wird dieses Zusammenspiel von einer Führungskultur, die den Menschen bewusst in den Mittelpunkt stellt.
Marius Stehling hebte hervor, dass eine am Menschen orientierte Führungskultur das Zusammenspiel von Lean Management, Digitalisierung und KI entscheidend prägt.
Zum Abschluss zeigte Daniel Buchegger von STIHL Tirol, wie sich die Anforderungen von Industrie 5.0 durch konsequente Führungstrainings in den Arbeitsalltag übersetzen lassen. Er machte deutlich, dass das Gelingen von Operational Excellence weniger an einzelnen Mitarbeitenden als an den Strukturen des Systems hängt. Führungskräfte müssen daher Orientierung geben, Entscheidungsräume klären und Zeit für Coaching sowie Ursachenarbeit schaffen. Erst so können Verbesserungen dauerhaft wirksam werden.
Der PQM-Dialog 2026 machte insgesamt deutlich, dass künstliche Intelligenz ein starker Hebel für mehr Effizienz sein kann. Ihr Potenzial entfaltet sie jedoch nur dort, wo Prozesse sauber aufgesetzt sind, Daten verlässlich vorliegen und Führung Orientierung gibt. Genau in diesem Zusammenspiel lag die zentrale Botschaft der Veranstaltung.
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