H2CoVE: Ausbildung für die Wasserstoffzukunft
- 08.01.2026
- Forschung
Franziska Boroviczény, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sustain & Estate, arbeitet im Büro an der zentralen H2CoVE-Projektplattform, über die alle Partner Updates und Ergebnisse teilen.
Das EU-Projekt H2CoVE qualifiziert zukünftige Fachkräfte für die europäische Wasserstoffwirtschaft. Die FH Kufstein Tirol entwickelt dafür neue Lehrangebote, vernetzt regionale Stakeholder und stärkt den Wissensaustausch. Franziska Boroviczény, MA, gibt Einblicke in die Projektarbeit.
Die europäische Energiezukunft wird ohne Wasserstoff kaum auskommen – darin sind sich Politik, Wirtschaft und Forschung einig. Doch für den Aufbau der Wasserstoff-Wertschöpfungskette braucht es nicht nur Infrastruktur, sondern vor allem Menschen, die diese Zukunft mitgestalten.
Genau hier setzt das EU-Projekt H2CoVE an. Fünf europäische Regionen – darunter Österreich mit der FH Kufstein Tirol – entwickeln gemeinsam Bildungsprogramme, die Studierende, Schulen und Unternehmen auf die Anforderungen der Wasserstoffwirtschaft vorbereiten. Ziel ist es, Kompetenzen zu bündeln, Wissen zugänglich zu machen und langfristige Ausbildungsstrukturen aufzubauen.
„Wir entwickeln keine Wasserstofftechnologien – wir entwickeln Kompetenz“
Franziska Boroviczény, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sustain & Estate der FH Kufstein Tirol und Absolventin des Masterstudiengangs Energie- & Nachhaltigkeitsmanagement, ist seit 2024 Teil des Projektteams. Sie beschreibt den Projektansatz so: „Es geht nicht darum, dass wir an Wasserstoff selbst forschen, sondern dass wir Bildungsprogramme entwickeln und Wissen austauschen. Die fünf Partnerregionen bündeln ihr Know-how, um Wasserstoffkurse zu schaffen, die zukünftige Fachkräfte wirklich brauchen.“
Dazu gehört auch die systematische Analyse: Welche Kompetenzen fehlen? Welche Anforderungen sehen Unternehmen? Welche vorhandenen Lehrmaterialien können genutzt oder weiterentwickelt werden? Die Antworten lieferten umfangreiche Stakeholderbefragungen und Recherchen in allen Partnerländern.
Wofür Wasserstoff künftig wichtig wird
„Wasserstoff spielt besonders dort eine Rolle, wo Batterien an technische Grenzen stoßen“, erklärt Franziska Boroviczény im Interview. „In Bereichen wie Luftfahrt oder Schifffahrt sind Batterien schlicht zu schwer – dort bietet Wasserstoff echte Alternativen zu fossilen Energien.“ Auch in der Energieversorgung könne Wasserstoff einen Beitrag leisten, indem überschüssiger Strom aus Photovoltaik, Wind- oder Wasserkraftanlagen zur Herstellung von grünem Wasserstoff genutzt wird. „Damit kann das Netz entlastet werden, und erneuerbare Energie wird speicherbar“, so Boroviczény.
Wasserstoff spielt besonders dort eine Rolle, wo Batterien an technische Grenzen stoßen.
Franziska Boroviczény
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sustain & Estate
Die Rolle der FH Kufstein Tirol: Bildungsangebote und zentrale Plattform
Ein zentraler Beitrag der FH Kufstein Tirol ist der technische und redaktionelle Aufbau der offiziellen Projekt-Webseite – ein Meilenstein, der früh im Projekt erreicht wurde. „Vieles in unserem Projekt dreht sich um diese Webseite. Sie ist unsere Plattform nach außen. Wir veröffentlichen dort alle Fortschritte, Veranstaltungen und Meilensteine“, erklärt Boroviczény.
Darüber hinaus entwickelt die FH Kufstein Tirol Kursmodule, die speziell an den regionalen Bildungs- und Unternehmensbedarf in Tirol angepasst sind. Insgesamt sollen 25 ECTS an neuen Wasserstoffkursen entstehen, die künftig im Studium sowie in der Weiterbildung eingesetzt werden.
Die Kurse richten sich an:
- Studierende der Studiengänge Energie- & Nachhaltigkeitsmanagement bzw. Energy & Sustainability Management
- Lehrkräfte und andere Pädagog:innen regionaler Schulen, die in Train-the-Trainer-Workshops geschult werden, um anschließend Schüler:innen in Wasserstoff-Themen zu unterrichten
- Mitarbeitende in Unternehmen mit spezifischem Weiterbildungsbedarf
Für Tirol bedeutet das: Auch regionale Betriebe können Teil des Projekts werden und ihre Mitarbeitenden in genau jenen Bereichen schulen lassen, in denen laut Bedarfserhebung Wissen fehlt.
Wie Studierende profitieren
Studierende profitieren zudem vom entstehenden internationalen Netzwerk des Projekts. „Partner wie die Niederlande verfügen bereits über umfangreiches Know-how und bestehende Wasserstoffkurse. Von diesem Austausch werden unsere Studierenden in Zukunft stark profitieren“, sagt Boroviczény. Außerdem sollen im Rahmen des Projekts auch Bachelor- und Masterarbeiten zu Wasserstoffthemen entstehen – inklusive möglicher finanzieller Unterstützung für größere Forschungsarbeiten.
Internationale Zusammenarbeit – und viel Koordination
Die Projektpartner aus Österreich, der Ukraine, Estland, den Niederlanden und Norwegen treffen sich mindestens einmal jährlich persönlich, ansonsten wird intensiv digital kooperiert. „Obwohl wir weit auseinander sitzen, funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut. Wir haben regelmäßige Meetings und tauschen Inhalte laufend aus“, sagt Boroviczény.
Diese internationale Struktur macht H2CoVE zu mehr als einem Bildungsprojekt: Es ist ein europäisches Netzwerk, das Kompetenzen strukturiert aufbaut und langfristig Innovation im Wasserstoffsektor fördern soll.
Nächste Schritte: Von der Analyse zur Umsetzung
Die erste Phase – Recherche und Stakeholderbefragung – ist abgeschlossen. Nun beginnt die Entwicklungsarbeit an den Lehrmodulen. Boroviczény führt aus: „Wir entwickeln die Wasserstoffkurse, holen Feedback der Partner ein und prüfen, welche bestehenden Module wir adaptieren können – etwa jene aus den Niederlanden.“ Parallel dazu wird die Projekt-Webseite laufend betreut und erweitert.
Besonders motiviert zeigt sich Boroviczény vom Thema selbst: Wasserstoff sei aus ihrer Sicht ein wichtiger Baustein der zukünftigen Energieversorgung. „Man darf das Thema nicht vorschnell abschreiben. Unser Ziel ist es, Wissen aufzubauen und Vorurteile abzubauen – und gleichzeitig selbst dazuzulernen.“
Factbox: H2CoVE auf einen Blick
Projektleitung:
Asc. Prof. (FH) Dipl.-Ing. Christian Huber
Projektziel:
Qualifizierung von Fachkräften für die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette
Partnerregionen:
Österreich, Estland, Niederlande, Norwegen, Ukraine
Laufzeit:
01.03.2024 – 29.02.2028
FH-Beitrag:
- Entwicklung von Bildungsmodulen
- Betreuung der zentralen Projekt-Webseite
- Stakeholderanalyse in Tirol
- Kooperation mit Schulen und Unternehmen
Zielgruppen:
Studierende, Schüler:innen, Unternehmen, Lehrpersonal
Geplante Ergebnisse:
- 25 ECTS an Wasserstoffkursen pro Universitätsstandort
- 75 geschulte Lehrkräfte
- 1000 Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen
- 800 beteiligte Stakeholder aus der Wirtschaft
- 100 Studierende bei Projektwettbewerben
- 12 wissenschaftliche Abschlussarbeiten
Links:
- H2CoVE | Forschungsprojekt