Ein bisher unerklärbares Windphänomen im Inntal wird an der FH Kufstein Tirol erforscht.
Ein bisher unerklärbares Windphänomen im Inntal wird an der FH Kufstein Tirol erforscht.

FH Kufstein Tirol erforscht das Phänomen „Erler Wind“

04.06.2019 |
Forschung
Das FH Kufstein Tirol Projekt „Erler Wind“ beschäftigt sich mit dem Windphänomen zwischen den Berggipfeln Wildbarren und Kranzhorn im Inntal. Die zentrale Frage dabei lautet, ob das Windphänomen für eine energetische Nutzung mit Windkraftanlagen geeignet ist.

Der „Erler Wind“ ist ein lokales Windphänomen im Grenzgebiet zwischen Tirol und Bayern - im Inntal. Das Projekt der FH Kufstein Tirol untersucht die Annahme, dass der wiederkehrende Wind aus dem Inntal täglich früh morgens von Österreich kommend in das Rosenheimer Becken weht, mit für den Voralpenraum ungewöhnlich hohen Windgeschwindigkeiten. Im Tagesverlauf dreht die Windrichtung und bläst ab mittags von Deutschland in Richtung Österreich. Bisherige Untersuchungen lieferten verschiedene Erklärungsansätze für dieses Phänomen. Gemeinhin spielt jedoch die signifikante Talverengung am Inntalausgang bei Erl eine wesentliche Rolle. Grundsätzlich fehlt es aber an belastbaren, gemessenen Winddaten, die Klarheit schaffen könnten.

Aufbau des Forschungsprojekts

Um die Charakteristik dieses Windphänomens hinreichend zu erforschen, haben die Projektmitarbeiter Prof. (FH) Dr.-Ing. Wolfgang Woyke und Philip Egger, MA des Studiengangs Energiewirtschaft einen Analysezeitraum von zwei Jahren bis August 2020 geplant. Die Messungen werden an zwei Standorten gleichzeitig durchgeführt. Der Standort „Schwaigen“ befindet sich im Norden direkt in der Talverengung am Inntalausgang und die zweite Messstation „Oberndorf“ 10 km weiter südlich im Talinneren. Die Nähe beider Stationen zueinander sollte eine deutliche Korrelation der Messwerte liefern. Ziel des Forschungsprojektes ist es, anhand der ausgewerteten Daten, erstens die Windstärke des „Erler Windes“ zu ermitteln und zweitens das energiewirtschaftliche Potenzial zu bewerten.

Erste Erkenntnisse aus den gesammelten Messdaten

Nach den ersten acht Monaten mit rund 350.000 Werten lassen sich aus den Messungen bereits interessante Zusammenhänge erkennen. Wie für Alpentäler üblich, sind die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten bei der im Talinneren befindlichen Station Oberndorf sehr niedrig. Im Gegensatz dazu bestätigt sich der vermutete Effekt, dass der Wind durch die charakteristische Talverengung mit deutlich mehr Geschwindigkeit bei der nördlichen Station Schwaigen ankommt. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit ist in Schwaigen für den Voralpenraum außergewöhnlich hoch und übersteigt die der Station Oberndorf um ein Vielfaches. Die aktuellen Ergebnisse stellen lediglich eine Momentaufnahme dar, da die Windgeschwindigkeit stark von den saisonalen Wettereinflüssen abhängt. Zudem ermöglicht der zweijährige Messzeitraum, potentielle Extremwerte und Fehlzeiten zu relativieren, wodurch ein verlässliches Ergebnis erreicht wird.

Energiewirtschaftlicher Nutzen denkbar?

Die Bevölkerung in der Talschneise berichtet seit Jahrzehnten von täglich wahrnehmbarem Wind. Ob dies tatsächlich der Fall ist oder es sich lediglich um eine subjektive Empfindung der Einwohner handelt, wird mit dem zweijährigen Messverfahren erforscht. Im Sinne der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Euregio Inntal ermöglicht dieses Projekt wertvolles Wissen über das Windaufkommen zu sammeln und daraus wirtschaftliche Vorteile abzuleiten. Eine energiewirtschaftliche Nutzung in Form von Kleinkraftwindanlagen könnte eine resultierende Folge aus den Messergebnissen sein, vermutet der Projektmitarbeiter Philip Egger. „Das Projekt ist deshalb so spannend, weil wir erstmals aussagekräftige Ergebnisse über so einen langen Zeitraum sammeln und auswerten können, dass wir dadurch vielleicht den entscheidenden ersten Schritt für die Windkraftnutzung in Tirol legen können“, erklärt Wolfgang Woyke.