Prof. (FH) Dr. Verena Teissl, Leiterin des Symposiums, mit Estrella Sendra Fernandez
Prof. (FH) Dr. Verena Teissl, Leiterin des Symposiums, mit Estrella Sendra Fernandez

Festivals im Fokus: Symposium thematisiert Nachhaltigkeit von Kunst und Kultur

11.05.2017 |
Forschung
Vom 3. bis 5. Mai haben an der FH Kufstein Tirol Expertinnen und Experten die Aufgabe und Wirkung von Festivals auf Kulturproduktion und -rezeption diskutiert. Ganz besonders im Fokus stand dabei die kulturelle Nachhaltigkeit.

Die Organisation von Festivals ist eine Gratwanderung zwischen Nachfrage, Angebot und nicht zuletzt den Interessen der Stakeholder. Elisabeth Mayerhofer, Referentin des Kulturstadtrats Wien, zeigte im Eröffnungsvortrag, wie begehrt Festivals als Plattform für Kultur, Touristik, Kunst und Bevölkerung sind. Im Fazit regte sie einen nachhaltigen Interessensausgleich an.

Nachhaltigkeit als Aufgabe auch über das Festival hinaus

Die Leiterin der Nachhaltigkeitsabteilung des Tollwood-Festivals in München, Stephanie Weigel, stellte die ökologische und gesellschaftliche Bewusstseinsbildung des populären Festivals dar. Ohne Unterstützung öffentlicher Subventionen hat sich Tollwood auch über das Festival hinaus als Stakeholder für Nachhaltigkeit positioniert und betreibt unter anderem Initiativen für artgerechte Tierhaltung und die Versorgung mit biologischen Produkten in öffentlichen Einrichtungen. Glaubwürdigkeit ist dabei ein Grundstein für den Erfolg solcher Autoren-Events. Ähnlich war auch das Fazit von Estrella Sendra Fernandez, von der SOAS University London, die Ergebnisse ihrer Feldforschung beim Traditions-Festival FESFOP in Louga, Senegal präsentierte. Die Veranstaltung macht regionale und nationale Traditionskünste unter breiter Mitwirkung der Bevölkerung auf neue Art zugänglich und unternimmt, wie Tollwood, weitere Ganzjahres-Initiativen, um Nachhaltigkeit im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.

Die Verantwortlichen schöpfen die Potenziale für kulturelle Entwicklung von Festivals nicht immer aus, wie Tanja C. Krainhöfer und Szilvia Nagy berichteten. Die Medienökonomin Krainhöfer zeigte unter anderem auf, dass das Programm der Berlinale, des größten und ältesten deutschen Filmfestivals, die interkulturelle Gesellschaft in Deutschland nur lückenhaft widerspiegelt. Nagy ist Mitbegründerin der Plattform Locop und untersucht die Rolle alternativer Kulturanbieter für die Nachhaltigkeit von Europäischen Kulturhauptstädten. Besonders in Ländern mit ehemals kommunistischen Regierungen erweisen sich Methoden der Partizipation als herausfordernd, doch auch der Gestus mancher Kulturhauptstadt-Verantwortlichen mündet mitunter in konfliktbeladene Verhältnisse zwischen den zivilgesellschaftlichen und hochkulturellen Sektoren.

Symposium leistet wichtigen Beitrag in junger Disziplin

„Im Gegensatz zu Museen werden Festivals erst relativ kurz in ihren Besonderheiten und Aufgaben beforscht.  Schon seit Mitte des 20. Jahrhunderts stoßen sie aber gesellschaftlichen Wandel und Demokratisierungsprozesse an. Dazu zählen auch die vielfältigen Themen der Nachhaltigkeit, vom ökologischen Bewusstsein bis zur kulturellen Entwicklung. Fallstudien erlauben exemplarische Zugänge. Das Symposium will diese sichtbar machen und so zur Theorienbildung beitragen“, fasst die Leiterin des Symposiums, Prof. (FH) Dr.  Verena Teissl, ihre Intention zusammen. Um Festivalmanagement intensiver zu diskutieren hat die Plattform Kulturmanagement Net eine Publikationsreihe initiiert, die unterschiedliche Perspektiven darstellt.

Veranstalter des Symposiums war der Studiengang Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement der FH Kufstein Tirol, Partner waren das Goethe-Institut sowie der Tourismusverband Kufsteinerland. Ebenfalls in Kooperation mit Kufsteinerland hat die FH als Teil des Rahmenprogramm die Zukunftswerkstatt „Festivaltourismus in Tirol: Gemeinsam Potenziale entdecken“ mit rund 25 Teilnehmern aus Tourismus und Kultur organisiert. Mariella Klement-Kapeller und Robert Gröblacher von der Österreich Werbung sowie Alexander Erler, Initiator des mehrfach ausgezeichneten Green-Events Wiesenrock-Festivals, boten wertvolle Inputs für die Verstärkung des fachübergreifenden Dialogs, Zusammenschlüsse von ähnlich orientierten Festivals zur (internationalen) Bewerbung sowie ein Verständnis von ökologischer Nachhaltigkeit als Mainstream. Auch die Veranstaltung Kultur.Mut war Teil des Programms. Studierende des Studiengangs Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement haben die Science Busters zum ersten Mal nach Kufstein gebracht. Rund 160 BesucherInnen aus Kufstein und Umgebung amüsierten sich über die Wissenschaft von „Game of Thrones“.

Kultur.Mut | Locop | Studien zu Filmfestivals in Deutschland | Wiesenrock | Goethe-Institut | Kufsteinerland | Kulturmanagement Net